„Tradition ist nicht das Anbeten der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.“ 

Was hat das mit dem Jugendstil zu tun? Jugendstil — das sind doch nur Schnörkel und Kitsch, oder? 

Bevor der Jugendstil zum sinnentleerten Ornament degradiert und als reine Dekoration mißbraucht wurde, war er eine wilde, freie und lebendige Bewegung, in der alles Schöne, Wahre und Freie einen Platz hatte, in der verschiedene Wege und Richtungen ausprobiert werden durften und in der Kunst, Spiritualität, Satire und Gesellschaftskritik keine Widersprüche waren, sondern sich zu einem großen Ganzen ergänzten. In der Münchener Zeitschrift „Jugend“, die zum ersten Mal 1896 erschien, finden sich kunstvolle Porträts und Landschaftsmalereien ganz selbstverständlich neben beißender Zeitkritik und scharfsinnigen Karikaturen. 

Wie heute standen die Künstler des Jugendstil vor schier unüberwindlich scheinenden gesellschaftlichen Mauern — die Industrialisierung war auf ihrem Höhepunkt und Prestige und materielle Gier gehörten quasi zum guten Ton. Damals wie heute gab es Künstler, Wissenschaftler, Freidenker, Handwerker und Intellektuelle, die von einer Sehnsucht in ihrem Herzen angetrieben nach neuen Lebenswegen suchten. Dabei gingen sie oft zu ihren kulturellen Wurzeln zurück: zu der Handwerkskunst des Mittelalters, den Mysterienschulen der westlichen Mystik, den Sagen- und Märchenwelten ihrer Heimat und vielen mehr und holten sie in ihr Leben und in die Gegenwart, um sie im Geist ihrer Ursprünge weiterzuentwickeln — zur „Weitergabe des Feuers“ der Tradition. 

Die Jugendstilbewegung um die Jahrhundertwende suchte und fand Auswege und Alternativen zum erdrückenden Materialismus der Industrialisierung — sie war wie wir auf der Suche und angetrieben von einer Sehnsucht nach Wahrheit, Schönheit und einer lebendigen Spiritualität. Ihr fühlen wir uns daher verbunden und wollen vor allem mit unserer Zeitschrift „Jugend — die Neue“ den Geist des Jugendstils wieder lebendig werden lassen und weitertragen.